BAWÜ LANDESNETZWERK FACHBERATUNG

Das BaWü Landesnetzwerk bietet Kita-Fachberatungen aus ganz Baden-Württemberg die Möglichkeit sich zu vernetzen und in regelmäßigen thematischen Austausch zu treten.

Geht es um die Qualitätssicherung und -entwicklung im frühkindlichen Bereich, so sind Sie als Fachberater*in gefordert. Sie sind die Impulsgeber für pädagogische Qualitätsentwicklungsprozesse und unterstützen insbesondere Leitungen und Teams in Kindertageseinrichtungen bei der Implementierung pädagogischer Themen und bei der Bewältigung komplexer Anforderungen. 
Mit der Initiative des BaWü Landesnetzwerks verfolgen wir zwei zentrale Ziele. Zum einen möchten wir die Vernetzung und Zusammenarbeit unter Fachberater*innen stärken, zum anderen einen gemeinsamen Dialog über die wichtige Profession Fachberatung eröffnen. Die Adressaten*innen des BaWü Landesnetzwerkes sind Kita-Fachberatungen und alle verwandten Akteur*innen, z.B. Qualitätsbegleiter*innen und Praxisbegleiter*innen für Kindertageseinrichtungen.

Die folgenden Formate des BaWü Landesnetzwerk Fachberatung sollen einen Beitrag dazu leisten: Die interaktive Landkarte, Arbeitsgemeinschaften, das Netzwerk SUMMIT und Fachbeiträge. Bei Fragen und Anliegen können Sie sich gerne an die Ansprechpartnerinnen des BaWü Landesnetzwerkes Fachberatung wenden.

Das BaWü Landesnetzwerk ist für alle interessierten Kita-Fachberatungen offen. Wenn Sie alle wichtigen Informationen rund um das Thema Fachberatung und zum BaWü Landesnetzwerk Fachberatung erhalten möchten, können Sie sich in die Datenbank aufnehmen lassen.
 



Fachberatung im Fokus der Forschung

Dr. Petra Haas & Carolin Fischer, Juni 2021

Zur Weiterentwicklung der Qualität in der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung bedarf es starker und kompetenter Unterstützungssysteme. Die Fachberatung stellt ein wesentliches Unterstützungssystem dar und wird als der Motor der Qualitätsentwicklung beschrieben (vgl. Kaiser & Fuchs-Rechlin, 2020, S.3). Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, sich dem Profil von Fachberatung im Feld der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung zu nähern und einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zum Handlungsfeld Fachberatung zu geben.

Handlungsfeld Fachberatung: Inhaltliche, gesetzliche und strukturelle Verankerung

Als Ausgangspunkt in der Professionsdebatte werden in der aktuellen Literatur die Definitionen von Karsten (1996) und BAG-BEK angeführt. „Fachberatung ist eine personenbezogene strukturentwickelnde soziale Dienstleistung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe. Sie ist ein eigenständiges Handlungsfeld im Unterstützungssystem der öffentlich verantworteten Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern. Sie wirkt qualitätsentwickelnd und qualitätssichernd (vgl. Karsten 1996) […].“ (BAG-BEK e.V. 2019, S.3). Auf der Basis der Gesetzgebung, der strukturellen Verankerung und des aktuellen Forschungsstands, wird beschrieben, wie das Handlungsfeld in der Praxis realisiert wird.

Gesetzliche Verankerung

Die gesetzliche Verankerung von Fachberatung wird zunächst auf Bundesebene und anschließend auf Landesebene erläutert. Dabei liegt der Fokus auf den Rahmenbedingungen in Baden-Württemberg. Auf Bundesebene ist die gesetzliche Regelung zur Fachberatung für Kindertageseinrichtungen im Sozialgesetzbuch VIII zu finden. Das Handlungsfeld kann nach Beitzel (2014) aus dem § 72 Abs. 3 SGB VIII „Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben Fortbildung und Praxisberatung für die Mitarbeiter des Jugendamtes und des Landesjugendamtes sicherzustellen“ abgeleitet werden. Diese Verpflichtung gilt nach § 74 Abs. 5 SGB VIII auch für Träger der freien Jugendhilfe, und diese sind nach Maßgabe von § 74 Abs. 6 finanziell zu fördern (Beitzel, 2014, S.12). Der Begriff Fachberatung ist im Sozialgesetzbuch VIII nicht dezidiert aufgeführt, kann jedoch hieraus abgeleitet werden. Preissing (2018) hält fest, dass demnach die Träger der öffentlichen Jugendhilfe Verantwortung für die angemessene Versorgung mit Fachberatung in allen Einrichtungen ihres Zuständigkeitsbereiches, unabhängig von deren Trägerschaft, tragen (vgl. Preissing, Herrmann, 2018, S.15).

In der Dokumentenanalyse zur gesetzlichen Rahmung von Fachberatung in den Bundesländern von Kaiser und Fuchs-Rechlin (2020) ist skizziert, wie sich der Auftrag von Fachberater*innen derzeit gestaltet. Die Wissenschaftlerinnen stellten fest, dass in den letzten Jahren in den einzelnen Bundesländern ein Verrechtlichungsprozess stattfindet. Die Dokumentanalyse zeigt auf, dass in Baden-Württemberg zum aktuellen Zeitpunkt in den ausführenden Gesetzen keine Verankerung des Handlungsfeldes Fachberatung vorliegt (vgl. Kaiser & Fuchs-Rechlin, 2020, S.13). Das Handlungsfeld Fachberatung ist nicht im Kindertagesbetreuungsgesetz (KiTaG), der Kindertagesstättenverordnung (KiTaVO) und im Rahmenvertrag für Baden-Württemberg (RV) geregelt. Im Orientierungsplan für Kindertageseinrichtungen und andere Betreuungseinrichtungen in Baden-Württemberg wird Fachberatung zum einen im Kontext der Zusammenarbeit mit Partnern angeführt: „Auch der Träger kann wertvolle Hilfe, z. B. durch Fachberatung, leisten, um die entsprechenden Voraussetzungen für die frühkindliche Bildung und Erziehung aller Kinder zu schaffen“ (KM, 2011, S.23). Zum anderen im Zusammenhang mit der Qualitätsentwicklung und -sicherung: „Zur Sicherung der Umsetzung und der nachhaltigen Prozessentwicklung pädagogischer und struktureller Qualität sind bedarfsgerechte Begleitsysteme wie Fachberatung und Fortbildung für pädagogische Mitarbeiterinnen und Träger erforderlich.“ (KM, 2011, S.24). In den ausführenden Gesetzen der einzelnen Bundesländer wird jedoch deutlich, dass nur wenige Bundesländer das Aufgabenprofil und die Qualifikationsvoraussetzungen der Fachberatung in ihren Landesgesetzen ausformulieren und die hierfür finanziellen Strukturen schaffen (z.B. Sachsen; vgl. Kaiser & Fuchs-Rechlin, 2020, S.7ff; Preissing & Herrmann 2018, S.15).

Strukturelle Verankerung

So vielfältig wie die Trägerlandschaft im Feld der Kindertagesbetreuung, so vielfältig ist auch die Verankerung der Fachberatung (vgl. Münch, 2010, S.51). Grundsätzlich zu unterscheiden sind nach Preissing und Hermann (2008) vier Formen der strukturellen Verankerung. Die erste Form stellt die Fachberatung durch die öffentliche Jugendhilfe dar. Nach §22a Abs. 5 SGB VIII ist der örtliche Träger der Jugendhilfe im Rahmen seiner Gesamtverantwortung zuständig, alle Kindertageseinrichtungen (Kitas) und ihre Entwicklung in den Blick zu nehmen. Fachberatung durch Einrichtungsträger stellt eine zweite Form dar, in der die Fachberatung beim jeweiligen Einrichtungsträger verortet und dem Leitbild sowie der Konzeption des Trägers verpflichtet ist. Die strukturelle Verortung der Fachberatung durch Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege stellt die dritte Form dar. In dieser Form sind die Fachberatungen beim einem der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege angestellt, die keine eigenen Kitas in ihrer Trägerschaft haben. Diese übergeordnete Ansiedlung sichert eine fachliche Unabhängigkeit der Fachberatung. Die vierte und letzte Form stellt die Fachberatung durch externe Anbieter*innen, demnach freiberufliche Fachberatung, dar. Diese Form ermöglicht es, den Blick von außen einzunehmen, jedoch kann die unabhängige Perspektive nur einen geringen Einfluss auf das System nehmen (Preissing & Hermann, 2018, S.15). Abschließend kann festgehalten werden, dass es keine bundesweite Erfassung von Strukturen für Fachberatung im System der Kita gibt.

Der aktuelle Forschungsstand zum Handlungsfeld Fachberatung wird im Folgenden zusammenfassend dargestellt. Hierbei ist auffallend, dass die meisten systematischen Studien innerhalb der letzten 10 Jahre durchgeführt wurden und demnach eine zunehmende gesellschaftliche Bedeutung von Fachberatung widerspiegeln. Um die tägliche Arbeit von Fachberatungen vorzustellen, ist eine facettenreiche Darstellung nötig, ausgehend von den Qualifikationen der Fachberatungen, über die Aufgabenfelder und Weiterbildungsangebote bis hin zu den konkreten Arbeitsbedingungen.

Qualifikation

Um als Fachberatung tätig zu sein, gibt es bislang keinen spezifischen Ausbildungsweg. Hingegen können verschiedene Bildungswege und berufliche Erfahrungen zur Tätigkeit als Fachberatung führen. Die bundesweiten, systematischen Befragungsstudien des BMFSFJ (2017) mit 367 Fachberater*innen und von Leygraf (2013) mit 659 Fachberater*innen zeigen, dass die Fachberatungen insgesamt ein hohes Qualifikationsniveau aufweisen. So verfügt die Mehrheit der Fachberatungen über einen Hochschulabschluss im Bereich der Pädagogik oder Sozialen Arbeit (BMFSFJ: 68%; Leygraf: 82%), ein großer Teil dieser Fachberatungen hat zudem vorangehend eine Ausbildung als Erzieher*in absolviert (Leygraf: 39%). Nur wenige Fachberatungen haben ausschließlich einen erzieherischen Ausbildungshintergrund (Leygraf: 16%). Demnach wird das Feld der Fachberatung durch hoch qualifiziertes Personal vertreten.

„Der Blick von außen und das gemeinsame Denken ist das, was die Einrichtungen so schätzen.“ (Jutta Reiser, Fachberaterin)

Aufgabenfelder

Fachberatungen sind in vielen verschiedenen Aufgabenfeldern tätig. In der bereits genannten Befragungsstudie (Leygraf, 2013) wurden 659 Fachberater*innen zu ihren Arbeitsanteilen in verschiedenen Aufgabenfeldern befragt. Dazu wurde den Befragten eine Liste mit 17 gängigen Aufgabenfeldern von Fachberatung vorgelegt, die in einer Expert*innenrunde verfasst worden war. Die Mehrheit der Fachberatungen (85%) gab an, aktuell vier bis elf Aufgabenfelder zu bearbeiten. Zu den häufigsten Aufgaben gehörten die (a) Beratung und Begleitung von Leitung, pädagogischen Fachkräften und Teams, (b) Konzeptions- und Organisationsentwicklung von Kitas, (c) Organisation des Erfahrungsaustauschs zwischen den Kitas, (d) Planung und Organisation von Fort- und Weiterbildung und die (e) Beratung des Trägers. In geringem Umfang wurden betriebswirtschaftliche Aufgaben von den befragten Fachberatungen genannt, dafür gaben sie häufiger Aufsichtsfunktionen (z.B. Fach-, Dienstaufsicht) an. Externe Evaluationen der Arbeit in Kitas wurden nach Angabe der Befragten selten durch Fachberatungen begleitet, häufig wurden jedoch interne Evaluationen unterstützt. Darüber hinaus gab jede zweite Fachberatung an, dass sich das Aufgabenfeld innerhalb der letzten drei Jahre sehr gewandelt habe. Dieser Wandel in den Aufgaben wurde meist mit dem U3-Ausbau und dem Thema Qualitätsmanagement begründet.

Eine weitere Perspektive auf die Aufgabenfelder ermöglicht eine qualitative Studie, in der 33 ausgewählte Fachberater*innen zu ihrem professionellen Selbstverständnis und Beratungsansatz in Interviews befragt wurden (Ehrhardt et al., 2014). Daraus abgeleitet ergaben sich folgende Facetten eines Idealtypus von Fachberatung: Ermöglichen, Umsorgen, Dienstleistung, Expertise, Vermitteln, Monitoring und Krisenintervention (ausführlicher beschrieben in: Ehrhardt et al., 2014, S.43-46). So meint beispielweise die Facette ‚Vermitteln‘, dass Fachberatung eine Netzwerkbildung zwischen Kitas unterstützt. Diese Facetten eines Idealtypus spiegeln ebenso die Aufgabenfelder der oben genannten Befragungsstudie von Leygraf (2013) wider.

Die aktuelle Situation der Corona-Pandemie hat die Aufgabenfelder der Fachberatungen zusätzlich erweitert. In einem kürzlich erschienenen Studienreport (Kaiser, 2020) sind die Wahrnehmungen des aktuellen Arbeitsfeldes zusammengefasst. Dazu wurden die Aussagen von bundesweit 25 Fachberater*innen in Telefoninterviews erfasst. Analog zu den oben genannten häufigsten Aufgaben standen die Fachberater*innen der Leitung, pädagogischen Fachkräften und Teams, sowie dem Träger zu Themen des Gesundheitsschutzes in der Pandemie beratend und begleitend zur Seite. Daran anknüpfend unterstützen sie unter anderem bei Fragen zur Vereinbarkeit der pädagogischen Konzeption und des Hygienekonzeptes, der Zusammenarbeit mit den Familien, der Organisation der Notbetreuung oder des Raumkonzepts. Sie leisteten wichtige „Übersetzungsarbeit“ durch ihre „Schnittstellenfunktion zwischen Politik, Wissenschaft, Trägern und Kitas“ (Kaiser, 2020, S.4ff).

Eine Fachexpertise beschreibt die in der Praxis vorkommenden Funktionen von Fachberatungen (Nolte, 2020). Neben der allgemeinen Fachberatung, die alle in der Kita Tätigen aktiv unterstützt und begleitet, kann die Fachberatung als Expert*in mit Fokus auf einzelne, spezifische Themengebiete (z.B. Kinderschutz, Partizipation) eingesetzt werden. Darüber hinaus gibt es die Fachberatung als Steuerungs- und Lobbysystem, welche die Interessen der Kitas nach außen vertritt und eng mit dem Träger zusammenarbeitet (vgl. Nolte, 2020, S.9). Wie häufig diese drei Funktionen (Generalist*in, Expert*in, Lobbyist*in) von Fachberatungen tatsächlich in der Praxis auftreten, ist bislang nicht wissenschaftlich fundiert.

Zusammenfassend bestätigen die genannten empirischen Studien, dass Fachberatungen ein sehr breit angelegtes Aufgabenfeld bedienen (vgl. Hense, 2010). Die meisten Fachberater*innen scheinen als „Allrounder“ tätig zu sein (Leygraf, 2013, S.14).

Weiterbildungsmöglichkeiten

Weiterbildungen stellen eine Möglichkeit dar, um Fachberatungen mit spezifischen Kenntnissen und Fertigkeiten für das breite und sich dynamisch wandelnde Handlungsfeld auszustatten. Zudem könnten fachberatungsspezifische Weiterbildungen das Fehlen einer spezifischen Ausbildung auffangen. Allerdings zeigt sich in zwei bundesweiten Befragungsstudien, dass über die Hälfte der Fachberater*innen keine fachberatungsspezifische Weiterbildung absolviert hat (Leygraf: 44%, BMFSFJ: 36%). Allerdings geben einige Fachberater*innen an, dass sie über andere Zusatzqualifikationen verfügen, die sie als nützlich für ihre Tätigkeit bewerten (Leygraf, 2013, S.29). Dazu zählen Weiterbildungen zum Qualitätsmanagement, Coaching und Supervision, Beratung und Gesprächsführung, sowie zum systemischen Arbeiten. Regelungen zur Zuständigkeit für die Weiterqualifizierung der Fachberatung existieren in zwei Bundesländern, in Thüringen (§15 Abs. 2 ThürKitaG) und Sachsen (§21 Abs. 3 SächsKitaG; Kaiser & Fuchs-Rechlin, 2020, S.6). Auch in weiteren Bundesländern sind Bestrebungen zu beobachten, Fortbildungsangebote für Fachberatungen zu schaffen. Zusammenfassend bleibt allerdings festzuhalten, dass fachberatungsspezifische Weiterbildungskonzepte nicht weit verbreitet sind (Preissing & Herrmann 2018).

Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen von Fachberatungen unterscheiden sich notwendigerweise aufgrund der heterogenen strukturellen Verankerungen und der vielfältigen Trägerlandschaft. Relevante Aspekte sind die Aufsichtsfunktionen von Fachberatung, der Fachberatungs-Kita-Schlüssel, die Art des Kontakts zur Kita und die Entfernung zwischen der Fachberatung und den Kitas (Leygraf, 2013). Ob eine Fachberatung eine Aufsichtsfunktion im Sinne von Fach- und Dienstaufsicht über Leitungen und pädagogische Fachkräfte ausübt, hängt mit der Trägerschaft der Fachberatung zusammen (vgl. Leygraf, 2013, S.17). Fachberatungen von kirchlichen Trägern haben eher selten eine Aufsichtsfunktion inne (ca. 30-40%), während Fachberatungen der AWO und von kommunalen Trägern überwiegend auch eine Aufsichtsfunktion ausüben (ca. 70-85%).

Darüber hinaus bestimmt der Fachberatungs-Kita-Schlüssel, d.h. das Verhältnis einer 100%-Stelle Fachberatung zur Anzahl der zu betreuenden Einrichtungen, die tägliche Arbeit einer Fachberatung. Tatsächlich zeigt sich hier eine sehr große Spannweite unter den befragten Fachberatungen, die für eine oder bis zu 600 Einrichtungen zuständig waren. Knapp die Hälfte der Fachberatungen in Vollzeit gaben an, bis zu 50 Einrichtungen zu begleiten (vgl. Leygraf, 2013, S.33-34). Dies deutet auf eine große Spannweite hin und auch darauf, dass sehr viele Fachberatungen eine sehr große Zahl an Kitas betreuen. Jede zweite Fachberatung gab daher auch an, dass sie momentan für zu viele Kitas zuständig sei (vgl. Leygraf, 2013, S.35).

Als weiterer Aspekt ist die Art des Kontakts der Fachberatung zur Kita relevant. Trotz der teilweisen hohen Zahl an zu betreuenden Kitas hat die Mehrheit der Befragten (76%) zu allen Einrichtungen persönlichen Kontakt (vgl. Leygraf, 2013, S.35). Zudem besuchen die meisten Fachberatungen ihre Einrichtungen häufiger als zweimal pro Jahr. Zu beachten ist dabei die Entfernung zwischen der Stelle der Fachberatung und den Kitas. Auch hier zeigt sich ein sehr gemischtes Feld mit Fachberatungen, die sehr kurze Anfahrtswege haben, meist im städtischen Raum, und Fachberatungen, die Kitas in mehreren Landkreisen betreuen und dadurch weniger Ressourcen für den direkten Kontakt vor Ort aufweisen.

Um eine multiperspektive Darstellung des Handlungsfelds Fachberatung zu ermöglichen, werden im Folgenden einige exemplarische Forschungsergebnisse aus Sicht der Beteiligten präsentiert. Wichtig zu beachten ist, dass es sich dabei um rein korrelative Ergebnisse handelt. Das heißt, es sind Zusammenhänge, die keinen Hinweis auf eine kausale Richtung geben.

Kompetenzeinschätzungen von Fachberatung durch Fachkräfte

In der Dissertation von Hense (2008) wurden 337 pädagogische Fachkräfte aus mehreren Bundesländern befragt, wie wirksam sie ihre Fachberatung im Hinblick auf ihre Kompetenzen und Nutzerorientierung einschätzen. Dazu wurden die Bewertungen von Fragen zur Art und Häufigkeit des Kontakts, den Angeboten und Inhalten der Fachberatung zusammengefasst. Es resultierte als Gesamturteil unter den Befragten, dass Fachberatungen „teilweise wirksam“ seien (Hense, 2008, S.187). Zudem wurden u.a. folgende relevante Zusammenhänge gefunden (vgl. Hense, 2010, S.38):

Die Fachberatung wird in ihren Kompetenzen als schlechter bewertet,

  • je seltener eine Fachkraft die Fachberatung kontaktiert hat.
  • je mehr sich die Fachkraft durch die Fachberatung kontrolliert fühlt.

Die Fachberatung wird in ihren Kompetenzen als besser bewertet,

  • je häufiger die Fachberatung in der Einrichtung ist.
  • je mehr die Fachberatung mit guten praktischen Fähigkeiten bewertet wird.

Diese Zusammenhänge lassen darauf schließen, dass neben den Kompetenzen von Fachberatungen besonders die Rahmenbedingungen (z.B. Aufsichtsfunktion, Fachberatungs-Kita-Schlüssel) eine wichtige Rolle für die wahrgenommene Wirksamkeit aus Sicht der pädagogischen Fachkräfte spielen. Daher ist es sehr wichtig, diese Rahmenbedingungen zu berücksichtigen und nicht alle Fachberatungen ‚über einen Kamm zu scheren‘. Zudem ist - trotz dieser Studienergebnisse - weiterhin unklar, wie und auf welche Art Fachberatung auf die Qualitätsentwicklung wirkt.

Kennzeichen einer gelungenen Beratung

In einer qualitativen Studie wurden aufgezeichnete Beratungssequenzen analysiert und sowohl beratende Fachberater*innen als auch beratene Fachkräfte nach ihren Qualitätsansprüchen an eine gelungene Beratung durch die Fachberatung gefragt (Ehrhardt et al., 2014). Es wurde deutlich, dass sich die Qualitätsansprüche von und an Fachberatung zwischen den Beratenden und den Beratenen unterscheiden. Fachberater*innen ist eine reflektierende Haltung in der Beratung sehr wichtig, wohingegen für die beratenen Fachkräfte klärende Strukturen, Unterstützung und Interessensvertretung ihrer Arbeit gegenüber Träger, Verwaltung und Politik zentral sind (Ehrhardt et al., 2014, S.51-56). Es zeigte sich zudem in weiteren Analysen derselben Daten, dass „Fachberatung [..] in der Kooperation von Beratenen und Beratenden“ entsteht (Weidmann, 2017, S.226). Demnach interpretieren Fachberatungen und pädagogische Fachkräfte den Erfolg einer Beratung nach eigenen Maßstäben und zugleich zeigt sich eine wechselseitige Beeinflussung des Beratungsprozesses durch die Wahrnehmungen und Handlungen der Beratenen und Beratenden.

Bedeutsamkeit der Kooperation mit der Fachberatung

Weitere Erkenntnisse zu den Wahrnehmungen von Fachberatungen und möglichen Zusammenhängen mit der pädagogischen Arbeit können aus der wissenschaftlichen Evaluation des Bundesprogramms „Sprach-Kitas“ gezogen werden. In diesem Bundesprogramm werden zum einen zusätzliche Fachberatungen und zum anderen zusätzliche Fachkräfte in den Kitas finanziert, die sich spezifisch mit den Programmzielen, z.B. der alltagsintegrierten Sprachbildung oder der Zusammenarbeit mit den Familien, auseinandersetzen und diese vor Ort unterstützen. Auf der Basis einer Befragung von 1.069 Leitungen und 1.018 zusätzlichen Fachkräften aus allen Bundesländern wurde die Fragestellung untersucht, wie Fachberatungen und Kita-Tandems (d.h. Leitung und zusätzliche Fachkraft des Bundesprogramms) zusammenarbeiten und das Programmziel der Zusammenarbeit mit den Familien unterstützen (Anders et al., 2018). Es zeigte sich, dass die Leitung ein reflektierteres Führungsverständnis aufweist, je intensiver sie durch die zusätzliche Fachberatung beraten wurde (vgl. Anders et al., 2018, S.8). Darüber hinaus ergaben sich Zusammenhänge zwischen der Kooperation von Leitung und zusätzlicher Fachberatung und dem Programmziel der Zusammenarbeit mit den Familien: Je besser die Leitung mit der zusätzlichen Fachberatung kooperierte, desto höher ausgeprägt war das Wissen der Leitung über dieses Programmziel, ihre multikulturellen Überzeugungen und ihr Führungsverständnis und dies wiederum hing mit einer höheren Berücksichtigung der Elternwünsche zusammen (vgl. Anders et al., 2018, S.8). Ob die Arbeit der Fachberatungen jedoch verantwortlich für diesen Zusammenhang ist, kann auf Basis dieser Daten nicht beantwortet werden. Es deuten sich jedoch bedeutsame Wirkungsmöglichkeiten durch Fachberatungen an.

Es gibt einige Forschungsarbeiten, die sich auf das Handlungsfeld Fachberatung konzentrieren. Sehr bemerkenswert ist jedoch, dass bislang alle Publikationen auf der deskriptiven Ebene angesiedelt sind. Das bedeutet, dass Wahrnehmungen von Fachberatungen und zum Handlungsfeld bereits empirisch fundiert beschrieben wurden. Allerdings fehlt es noch an theoretischen Modellen und Erkenntnissen zur Wirksamkeit von Fachberatung auf die Qualitätssicherung und -entwicklung der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung, d.h. beispielsweise auf die Zusammenarbeit im Team, das Leitungshandeln, das Wohlbefinden und Lernen der Kinder, die Zusammenarbeit mit Familien und vielen weiteren wichtigen Aspekten (Klinkhammer & Schäfer, 2017). Qualität kann auf mehreren Dimensionen und aus mehreren Perspektiven abgebildet werden. Daher ist es nötig, nicht nur die Einschätzungen von Fachkräften, sondern beispielweise auch die Kinderperspektive miteinzubeziehen.

Empirisch fundierte Antworten zur Frage der Wirksamkeit von Fachberatung auf die Qualität in Kitas erfordern wissenschaftliche Untersuchungen im Rahmen eines systemisch-kontextbezogenen Ansatzes. Als erste Schritte können dazu Studien der Ursache-Wirkungs-Forschung oder dialogorientierter Forschung umgesetzt werden, welche die strukturelle und inhaltliche Heterogenität von Fachberatungen berücksichtigen. Demnach muss bei der Planung des Studiendesigns und bei der Analyse der Forschungsdaten stets die individuelle, strukturelle und inhaltliche Ausrichtung der Fachberatung und auch der Kita mit all ihren Akteur*innen beachtet werden (z.B. auch die Unterstützung durch den Träger). Zum aktuellen Zeitpunkt besteht hinsichtlich der Wirkung von Fachberatung eine Forschungslücke.

Der seit dem Anspruch auf einen Krippenplatz steigende quantitative Ausbau von Kindertageseinrichtungen bedarf einer konzentrierten Ausrichtung auf die Qualität frühkindlicher Bildung, Erziehung und Betreuung. Fachberatungen als potentieller Motor der Qualitätsentwicklung wird dadurch eine zentrale Rolle zugeschrieben. Ausgehend von einer Definition des Handlungsfelds Fachberatung und den gesetzlichen und strukturellen Verankerungen von Fachberatung haben wir uns dem immer zentraler werdenden Unterstützungssystem der Fachberatung genähert. In Deutschland ist Fachberatung nicht standardisiert gesetzlich verankert, jedoch sind erste Schritte zur gesetzlichen Verankerung in einzelnen Bundesländern zu beobachten. Die Rahmenbedingungen von Fachberatung sind bislang nicht ausreichend ausdifferenziert. Die strukturelle Vielfalt der Verankerungen von Fachberatungen entspricht der heterogenen Trägerlandschaft.

Auf Basis wissenschaftlicher Forschungsergebnisse wurde das Handlungsfeld Fachberatung näher beleuchtet. Eine durchweg hohe Ausgangsqualifikation, ein vielfältiges Aufgabenfeld, wenige spezifische Weiterbildungsmöglichkeiten und zum Teil sehr herausfordernde Arbeitsbedingungen kennzeichnen das aktuelle Handlungsfeld von Fachberatungen. Die Wahrnehmungen von Fachberatung durch pädagogische Fachkräfte und Leitungen verdeutlichen zum einen das vielfältige Spektrum an Rahmenbedingungen und zum anderen die Bedeutung einer gelungenen Kooperation mit der Fachberatung. Desiderate der Forschung sind wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirksamkeit von Fachberatung auf die Qualität in der Kita.

 „Je intensiver, länger und regelmäßiger ich Kontakt zu einer Einrichtung habe, desto größer ist die Wirkung, hinsichtlich der Qualitätsentwicklung.“ (Jutta Reiser, Fachberaterin)

Ausblick

Das Handlungsfeld Fachberatung stellt aufgrund des heterogenen Aufgabenprofils, den zum Teil widersprüchlichen Verantwortlichkeiten und Zielperspektiven alle beteiligten Akteur*innen vor große Herausforderungen (Kaiser, 2020, S.12). Ein adäquater Fachberatungs-Kita-Schlüssel ist notwendig, um Zeitressourcen für Beratung und Begleitung der Praxis zu sichern. Um das Unterstützungssystem von Fachberatung zu festigen, ist es wichtig, das Handlungsfeld von Fachberatung sichtbar zu machen und das eigene Professionsverständnis weiterzuentwickeln. Sowohl auf Bundesebene als auch auf Länderebene können Bestrebungen beobachtet werden, die sich für eine trägerübergreifende Vernetzung einsetzen. Für die eigene Profilbildung fordert der Deutsche Verein sowohl trägerinterne, regionale Netzwerke als auch übergreifende (Deutscher Verein, 2012, S.18). Darüber hinaus können regionale und überregionale Arbeitsgemeinschaften entstehen und fachberatungsspezifische Fort- und Weiterbildungen angeboten werden. Damit Fachberatung als Unterstützungssystem gelingen kann, ist eine Stärkung der Profession Fachberatung grundlegend.


Hier können Sie den Fachbeitrag herunterladen:

 

Interaktive Landkarte


In der interaktiven Landkarte werden Fachberatungsstellen und einzelne Fachberater*innen aus ganz Baden-Württemberg zukünftig sichtbar. Dies ermöglicht es den Fachberatungen gezielt mit anderen Fachberatungsstellen in Kontakt zu treten.

Die Landkarte wird mit unterschiedlichen Suchoptionen ausgestattet, z.B. das Suchen nach Porträts von Fachberatungen, Landkreisen und Kommunen oder nach thematischen Schwerpunkten, wie z.B. Kleinkind und Beobachtungsverfahren.
Werden Sie Teil der interaktiven Landkarte und füllen Sie das Formular aus, so werden Sie in der interaktiven Karte sichtbar.


Die interaktive Landkarte von Fachberater*innen befindet sich aktuell im Aufbau. Sind Sie schon ein Teil der interaktiven Landkarte?

 

Wenn Sie ein Teil der interaktiven Landkarte werden möchten, nutzen Sie bitte für die Einsendung die Formularvorlage „Formular zur Aufnahme in die interaktive Landkarte“. Senden Sie Ihr Formular bitte immer über den Button „Per E-Mail senden“. Sollten Sie keine digitale Signatur einbinden können, senden Sie uns bitte das PDF-Formular „Formular zur Aufnahme in die interaktive Landkarte“ und zusätzlich das unterzeichnete Formular als Scan an die folgende E-Mail-Adresse: landesnetz-werk.fachberatung@ffb.kv.bwl.de.

Wir freuen uns, Sie als Teil der interaktiven Landkarte begrüßen zu dürfen!

     

Kontakt

Isabelle Seeger

Leitung Arbeitsbereich II

isabelle.seeger@ffb.kv.bwl.de

Telefon: +49 711 279-4240
Telefax: +49 711 279-2489

CAROLIN FISCHER

Referentin Arbeitsbereich II

carolin.fischer@ffb.kv.bwl.de

Telefon: +49 711 279-2467

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