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Beschreibung des Handlungsfelds Fachberatung

Der aktuelle Forschungsstand zum Handlungsfeld Fachberatung wird im Folgenden zusammenfassend dargestellt. Hierbei ist auffallend, dass die meisten systematischen Studien innerhalb der letzten 10 Jahre durchgeführt wurden und demnach eine zunehmende gesellschaftliche Bedeutung von Fachberatung widerspiegeln. Um die tägliche Arbeit von Fachberatungen vorzustellen, ist eine facettenreiche Darstellung nötig, ausgehend von den Qualifikationen der Fachberatungen, über die Aufgabenfelder und Weiterbildungsangebote bis hin zu den konkreten Arbeitsbedingungen.

Qualifikation

Um als Fachberatung tätig zu sein, gibt es bislang keinen spezifischen Ausbildungsweg. Hingegen können verschiedene Bildungswege und berufliche Erfahrungen zur Tätigkeit als Fachberatung führen. Die bundesweiten, systematischen Befragungsstudien des BMFSFJ (2017) mit 367 Fachberaterinnen/ Fachberatern und von Leygraf (2013) mit 659 Fachberaterinnen/ Fachberatern zeigen, dass die Fachberatungen insgesamt ein hohes Qualifikationsniveau aufweisen. So verfügt die Mehrheit der Fachberatungen über einen Hochschulabschluss im Bereich der Pädagogik oder Sozialen Arbeit (BMFSFJ: 68%; Leygraf: 82%), ein großer Teil dieser Fachberatungen hat zudem vorangehend eine Ausbildung als Erzieherin/ Erzieher absolviert (Leygraf: 39%). Nur wenige Fachberatungen haben ausschließlich einen erzieherischen Ausbildungshintergrund (Leygraf: 16%). Demnach wird das Feld der Fachberatung durch hoch qualifiziertes Personal vertreten.

„Der Blick von außen und das gemeinsame Denken ist das, was die Einrichtungen so schätzen.“ (Jutta Reiser, Fachberaterin)

Aufgabenfelder

Fachberatungen sind in vielen verschiedenen Aufgabenfeldern tätig. In der bereits genannten Befragungsstudie (Leygraf, 2013) wurden 659 Fachberaterinnen/ Fachberater zu ihren Arbeitsanteilen in verschiedenen Aufgabenfeldern befragt. Dazu wurde den Befragten eine Liste mit 17 gängigen Aufgabenfeldern von Fachberatung vorgelegt, die in einer Expertenrunde verfasst worden war. Die Mehrheit der Fachberatungen (85%) gab an, aktuell vier bis elf Aufgabenfelder zu bearbeiten. Zu den häufigsten Aufgaben gehörten die (a) Beratung und Begleitung von Leitung, pädagogischen Fachkräften und Teams, (b) Konzeptions- und Organisationsentwicklung von Kitas, (c) Organisation des Erfahrungsaustauschs zwischen den Kitas, (d) Planung und Organisation von Fort- und Weiterbildung und die (e) Beratung des Trägers. In geringem Umfang wurden betriebswirtschaftliche Aufgaben von den befragten Fachberatungen genannt, dafür gaben sie häufiger Aufsichtsfunktionen (z.B. Fach-, Dienstaufsicht) an. Externe Evaluationen der Arbeit in Kitas wurden nach Angabe der Befragten selten durch Fachberatungen begleitet, häufig wurden jedoch interne Evaluationen unterstützt. Darüber hinaus gab jede zweite Fachberatung an, dass sich das Aufgabenfeld innerhalb der letzten drei Jahre sehr gewandelt habe. Dieser Wandel in den Aufgaben wurde meist mit dem U3-Ausbau und dem Thema Qualitätsmanagement begründet.

Eine weitere Perspektive auf die Aufgabenfelder ermöglicht eine qualitative Studie, in der 33 ausgewählte Fachberatungen zu ihrem professionellen Selbstverständnis und Beratungsansatz in Interviews befragt wurden (Ehrhardt et al., 2014). Daraus abgeleitet ergaben sich folgende Facetten eines Idealtypus von Fachberatung: Ermöglichen, Umsorgen, Dienstleistung, Expertise, Vermitteln, Monitoring und Krisenintervention (ausführlicher beschrieben in: Ehrhardt et al., 2014, S.43-46). So meint beispielweise die Facette ‚Vermitteln‘, dass Fachberatung eine Netzwerkbildung zwischen Kitas unterstützt. Diese Facetten eines Idealtypus spiegeln ebenso die Aufgabenfelder der oben genannten Befragungsstudie von Leygraf (2013) wider.

Die aktuelle Situation der Corona-Pandemie hat die Aufgabenfelder der Fachberatungen zusätzlich erweitert. In einem kürzlich erschienenen Studienreport (Kaiser, 2020) sind die Wahrnehmungen des aktuellen Arbeitsfeldes zusammengefasst. Dazu wurden die Aussagen von bundesweit 25 Fachberaterinnen und Fachberatern in Telefoninterviews erfasst. Analog zu den oben genannten häufigsten Aufgaben standen die Fachberatungen der Leitung, pädagogischen Fachkräften und Teams, sowie dem Träger zu Themen des Gesundheitsschutzes in der Pandemie beratend und begleitend zur Seite. Daran anknüpfend unterstützen sie unter anderem bei Fragen zur Vereinbarkeit der pädagogischen Konzeption und des Hygienekonzeptes, der Zusammenarbeit mit den Familien, der Organisation der Notbetreuung oder des Raumkonzepts. Sie leisteten wichtige „Übersetzungsarbeit“ durch ihre „Schnittstellenfunktion zwischen Politik, Wissenschaft, Trägern und Kitas“ (Kaiser, 2020, S.4ff).

Eine Fachexpertise beschreibt die in der Praxis vorkommenden Funktionen von Fachberatungen (Nolte, 2020). Neben der allgemeinen Fachberatung, die alle in der Kita Tätigen aktiv unterstützt und begleitet, kann die Fachberatung als Expertin oder Experte mit Fokus auf einzelne, spezifische Themengebiete (z.B. Kinderschutz, Partizipation) eingesetzt werden. Darüber hinaus gibt es die Fachberatung als Steuerungs- und Lobbysystem, welche die Interessen der Kitas nach außen vertritt und eng mit dem Träger zusammenarbeitet (vgl. Nolte, 2020, S.9). Wie häufig diese drei Funktionen (Generalist, Expertin, Lobbyistin) von Fachberatungen tatsächlich in der Praxis auftreten, ist bislang nicht wissenschaftlich fundiert.

Zusammenfassend bestätigen die genannten empirischen Studien, dass Fachberatungen ein sehr breit angelegtes Aufgabenfeld bedienen (vgl. Hense, 2010). Die meisten Fachberaterinnen/ Fachberater scheinen als „Allrounder“ tätig zu sein (Leygraf, 2013, S.14).

Weiterbildungsmöglichkeiten

Weiterbildungen stellen eine Möglichkeit dar, um Fachberatungen mit spezifischen Kenntnissen und Fertigkeiten für das breite und sich dynamisch wandelnde Handlungsfeld auszustatten. Zudem könnten fachberatungsspezifische Weiterbildungen das Fehlen einer spezifischen Ausbildung auffangen. Allerdings zeigt sich in zwei bundesweiten Befragungsstudien, dass über die Hälfte der Fachberaterinnen und Fachberater keine fachberatungsspezifische Weiterbildung absolviert hat (Leygraf: 44%, BMFSFJ: 36%). Allerdings geben einige Fachberaterinnen/ Fachberater an, dass sie über andere Zusatzqualifikationen verfügen, die sie als nützlich für ihre Tätigkeit bewerten (Leygraf, 2013, S.29). Dazu zählen Weiterbildungen zum Qualitätsmanagement, Coaching und Supervision, Beratung und Gesprächsführung, sowie zum systemischen Arbeiten. Regelungen zur Zuständigkeit für die Weiterqualifizierung der Fachberatung existieren in zwei Bundesländern, in Thüringen (§15 Abs. 2 ThürKitaG) und Sachsen (§21 Abs. 3 SächsKitaG; Kaiser & Fuchs-Rechlin, 2020, S.6). Auch in weiteren Bundesländern sind Bestrebungen zu beobachten, Fortbildungsangebote für Fachberatungen zu schaffen. Zusammenfassend bleibt allerdings festzuhalten, dass fachberatungsspezifische Weiterbildungskonzepte nicht weit verbreitet sind (Preissing & Herrmann 2018).

Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen von Fachberatungen unterscheiden sich notwendigerweise aufgrund der heterogenen strukturellen Verankerungen und der vielfältigen Trägerlandschaft. Relevante Aspekte sind die Aufsichtsfunktionen von Fachberatung, der Fachberatungs-Kita-Schlüssel, die Art des Kontakts zur Kita und die Entfernung zwischen der Fachberatung und den Kitas (Leygraf, 2013). Ob eine Fachberatung eine Aufsichtsfunktion im Sinne von Fach- und Dienstaufsicht über Leitungen und pädagogische Fachkräfte ausübt, hängt mit der Trägerschaft der Fachberatung zusammen (vgl. Leygraf, 2013, S.17). Fachberatungen von kirchlichen Trägern haben eher selten eine Aufsichtsfunktion inne (ca. 30-40%), während Fachberatungen der AWO und von kommunalen Trägern überwiegend auch eine Aufsichtsfunktion ausüben (ca. 70-85%).

Darüber hinaus bestimmt der Fachberatungs-Kita-Schlüssel, d.h. das Verhältnis einer 100%-Stelle Fachberatung zur Anzahl der zu betreuenden Einrichtungen, die tägliche Arbeit einer Fachberatung. Tatsächlich zeigt sich hier eine sehr große Spannweite unter den befragten Fachberatungen, die für eine oder bis zu 600 Einrichtungen zuständig waren. Knapp die Hälfte der Fachberatungen in Vollzeit gaben an, bis zu 50 Einrichtungen zu begleiten (vgl. Leygraf, 2013, S.33-34). Dies deutet auf eine große Spannweite hin und auch darauf, dass sehr viele Fachberatungen eine sehr große Zahl an Kitas betreuen. Jede zweite Fachberatung gab daher auch an, dass sie momentan für zu viele Kitas zuständig sei (vgl. Leygraf, 2013, S.35).

Als weiterer Aspekt ist die Art des Kontakts der Fachberatung zur Kita relevant. Trotz der teilweisen hohen Zahl an zu betreuenden Kitas hat die Mehrheit der Befragten (76%) zu allen Einrichtungen persönlichen Kontakt (vgl. Leygraf, 2013, S.35). Zudem besuchen die meisten Fachberatungen ihre Einrichtungen häufiger als zweimal pro Jahr. Zu beachten ist dabei die Entfernung zwischen der Stelle der Fachberatung und den Kitas. Auch hier zeigt sich ein sehr gemischtes Feld mit Fachberatungen, die sehr kurze Anfahrtswege haben, meist im städtischen Raum, und Fachberatungen, die Kitas in mehreren Landkreisen betreuen und dadurch weniger Ressourcen für den direkten Kontakt vor Ort aufweisen.